Weiche Schale – fester Kern
23. März 2017
Auf den ersten Blick wirkt das porträtierte Mädchen brav und sanft: die rosafarbene Bluse mit ordentlichem Kragen und die weichen Töne der Pastellkreide unterstreichen dies. Schauen wir aber genauer hin, fallen die wilden Locken und in ihren braunen Augen ein entschlossener, fast schon herausfordernder Blick auf. Es lässt sich vielleicht erahnen, dass aus dem jungen Mädchen später eine weit gereiste und erfolgreiche Geschäftsfrau wurde.
Rose-Erika Lenich (1923-2016), die von ihrer Familie liebevoll Rosika genannt wurde, arbeitete als junge Frau zunächst im Familienbetrieb, der Samengroßhandlung Schott, als Sekretärin, bevor sie als Stewardess Europa bereiste. Nach dem Tod ihrer Mutter führte sie das Unternehmen alleine weiter.

Christian Schad, Portrait Rosika Lenich, 1942, Privatbesitz (Foto: Sabine Denecke, Museen der Stadt Aschaffenburg)
1942 bekam Christian Schad den Auftrag die damals 19jährige Rosika zu porträtieren. Wie bei fast allen von Schads Bildern befindet sich seine Signatur „SCHAD 42“ unten rechts. Vermutlich basiert das Gemälde auf der Bleistiftzeichnung „Rosika“ – für Schad erst der dritte private Auftrag in Aschaffenburg.
Rosikas Mutter Hertha Lenich war mit Ruth Freifrau Gorup von Besanez befreundet. Sie kannte also nicht nur das Porträt ihrer Tochter, sondern auch das Gemälde ihrer Freundin – Schads erstes Werk in Aschaffenburg. Hertha war so fasziniert von seinen Bildern, dass auch sie sich 1946 von Schad malen ließ.
Die Samengroßhandlung der Familie Lenich
Die Samengroßhandlung von Rosikas Familie wurde bereits 1860 von Gustav Schott in Aschaffenburg-Damm gegründet und war auf die Gewinnung, Aufbereitung und den Vertrieb von Grassaaten und Waldholzsamen spezialisiert. Nach Gustavs Tod 1891 übernahm sein Schwiegersohn Friedrich die „Samenhandlung und Klenganstalt für Waldholzsamen“. Unter seiner Leitung entwickelte sich diese zu einem weltweit bekannten Unternehmen. 1934 ging die Firma dann an seinen jüngsten Sohn Gustav Lenich über, der mit Hertha Luise Nassauer zwei Töchter hatte, die ältere war Rosika Lenich. Gustav starb überraschend 1945, woraufhin zunächst seine Frau Hertha die Geschäfte übernahm. Nach Herthas Tod 1976 übernahm Rosika die Filiale in Aschaffenburg und führte die Geschäfte weiter, bis der Betrieb 1985 schließen musste. (Quelle: Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg e. V. (Hg.), Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes, Bd. 20, 1999, S. 357-372.)
Leihgabe der Familie
Die Familie von Rosika Lenich überlasst das Gemälde den Museen der Stadt Aschaffenburg als Leihgabe für das Christian Schad Museum.
Autorin des Beitrags: Anna-Sophie Karl M.A.
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