Netzwerk-1-2021
AUSBILDUNG Vom Hausmüll bis zu Industrieabfällen – vieles kann recy- celt, manches wiederverwertet und einiges muss entsorgt werden. Die Or- ganisation der Müllabfuhr und Wert- stoffhöfe oder die richtige Entsorgung von Gefahrstoffen – das und vieles mehr gehören zu den Aufgaben einer Fachkraft für Kreislauf- und Abfall- wirtschaft. Wir haben nachgefragt, was sich hinter diesem Berufsbild ver- birgt. Netzwerk: Hallo Diana, du machst eine Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Auf den ersten Blick kein typischer Ausbildungsberuf für eine Frau. Wie bist du dazu gekommen? Diana Hofmann : Für mich gab es noch nie typische Frauen- oder Männerberufe. Ich habe mich auch nicht davon abbrin- gen lassen, dass immer noch viele Leute ein bestimmtes Bild davon haben, was ein typischer Frauen- oder Männerberuf ist. Ich wollte schon immer gerne etwas Handwerkliches machen, etwas, wo ich anpacken kann. Und da ich mich sehr für Umweltschutz interessiere – leider se- hen das immer noch viele Menschen viel zu locker – sollte mein Beruf auch etwas damit zu tun haben. Ich habe mich dann für ein Praktikum bei den Stadtwerken beworben, das hat mir viel Spaß ge- macht. Netzwerk: Wie kommst du mit deinen männlichen Kollegen klar? Diana Hofmann : Ich wurde super von den Kollegen aufgenommen. Manche unterschätzen mich vielleicht oder ha- ben mich unterschätzt, was meine Kraft angeht … eben die Vorstellung, es wäre ein „Männerberuf“. Aber dann zeige ich halt, dass ich auch ordentlich anpacken kann. Netzwerk: Läufst du heute mit einem anderen Blick durch die Stadt? Ärgerst du dich über Müll auf der Straße oder achtlos weggeworfene Zigarettenkippen? Diana Hofmann : Ja, auf jeden Fall. Das ging mir schon früher so. Und seit mei- ner Ausbildung kenne ich auch diejeni- gen, die den Müll beseitigen. Das alles müsste nicht sein. Überall gibt es Müll- eimer. Warum können die Leute nicht einfach die paar Schritte weiter gehen und den Müll dort entsorgen, wo er hin- gehört. Netzwerk: Wie lange dauert deine Ausbildung und was sind die Voraus- setzungen? Im Gespräch: Diana Hofmann Wohin damit? Voller Körpereinsatz, Feingefühl und auch Köpfchen sind gefragt bei Diana Hofmanns abwechlsungsreichen Aufgaben auf dem Recyclinghof: Abfalltrennung, Transportarbeiten mit Radlader oder Gabelstapler, Reinigen von Mülltonnen, Sortieren von Schadstoffen und nicht zuletzt auch Büroarbeiten gehören dazu. Diana Hofmann : Normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre, sie kann aber auf zwei Jahre verkürzt werden. In diesem Fall überspringt man das 1. Aus- bildungsjahr. So habe ich es gemacht und bin aktuell im 2. Lehrjahr. Mitbrin- gen muss man mindestens einen quali- fizierenden Hauptschulabschluss, kurz Quali. Dazu sollte man körperlich fit sein und bereit, jederzeit anzupacken. Netzwerk: Was sind die Ausbildungs- inhalte? Diana Hofmann : Unsere Ausbildung ist sehr vielseitig. Das reicht von der Müll- trennung über verschiedene Analysen im Labor, zum Beispiel von Gefahrstof- fen, und dem richtigen Umgang mit 8
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