(vom 13.05.2020)
Zehn Jahre Biomasseheizkraftwerk im Leiderer Hafen
Noch heute gilt es als zukunftsweisendes Versorgungskonzept: das Biomasseheizkraftwerk (BMHKW) der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG). Es ging vor zehn Jahren, am 16. Mai 2010 „ans Netz“ und liefert seitdem regenerativen Strom und Wärme für die Stadt. Es war der Grundstein für die Energiewende in Aschaffenburg und trägt nachhaltig zum Klima- und Umweltschutz bei.
Jubiläums Statement von Geschäftsführer Dieter Gerlach:
Ein Flug rund um das Kraftwerk:
Zahlen & Fakten:
Das Biomasse-Heizkraftwerk im Leiderer Hafen ist 24 Stunden, sieben Tage die Woche in Betrieb. 4 Mitarbeiter der AVG sorgen für den reibungslosen Ablauf aller anfallenden Arbeiten. Pro Tag werden ca. 450 Kubikmeter Hackschnitzel und Schreddermaterial angeliefert. Das entspricht in etwa 7 Lkw-Ladungen. Die Lagerkapazität des BMHKW liegt bei etwa 3.200 Kubikmetern Brennstoff. Die Holzlieferungen stammen zum größten Teil aus Spessart und Odenwald, maximal rund 50 Kilometer von Aschaffenburg entfernt.
Mehr unter https://www.stwab.de/bioenergie
Nachwachsende Rohstoffe sind klimaneutral. Das heißt, sie nehmen beim Wachsen so viel Kohlendioxid (CO2) auf, wie sie später beim Verbrennen wieder freisetzen. Vor diesem Hintergrund hat die AVG im Jahr 2007 die Tochtergesellschaft Bioenergie Aschaffenburg GmbH mit dem Ziel gegründet, im Leiderer Hafen ein Biomasseheizkraftwerk zu bauen. „Hiermit haben wir das Fundament für die Energiewende in Aschaffenburg gelegt“, erläutert AVG-Geschäftsführer Dieter Gerlach.
Bereits drei Jahre später, im Mai 2010, wurde das Heizkraftwerk nach 12 Monaten Bauzeit und einer Investition in Höhe von 17,5 Millionen Euro in Betrieb genommen. „Ziel war, die vorhandenen Ressourcen und Potenziale der Region zu nutzen, uns ein Stück unabhängiger vom globalen Energiemarkt zu machen und eine klare Klimaentlastung zu schaffen“, erläutert Dieter Gerlach weiter. „Und das ist uns gelungen: Seit der Inbetriebnahme am 16. Mai 2010 konnten im Vergleich zur Verwendung fossiler Brennstoffe dank des Biomasseheizkraftwerkes rund 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden.“
Aus der Region für die Region
Ein BMHKW ist ein Heizkraftwerk, das durch die Verbrennung von Biomasse sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Als Biomasse bezeichnet man nachwachsende pflanzliche Rohstoffe, aus denen Energie gewonnen werden kann. Im Aschaffenburger BMHKW werden insbesondere naturbelassene Holzhackschnitzel und geschredderte Holzabfälle aus dem nahen Spessart und Odenwald umweltfreundlich in regenerativen Strom sowie in Nah-, Fern- und Nutzwärme umgewandelt. Kurze Transportwege und eine hohe Verfügbarkeit des nachwachsenden Rohstoffes Holz erhöhen zusätzlich die Effizienz des BMHKW. „So generieren wir heute zumindest einen Teil unseres Energiebedarfs selbst aus der Region“, freut sich Dieter Gerlach.
Wie funktioniert das BMHKW?
Das BMHKW arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und erreicht so hohe Wirkungsgrade. Denn neben elektrischem Strom entsteht bei der Verbrennung der Biomasse auch Wärme, die genutzt werden kann. Es gibt verschiedene Anlagetypen. Das BMHKW im Leiderer Hafen ist eine sogenannte Organic-Rankine-Cycle-(ORC)-Anlage. Sie arbeitet ähnlich wie der Wasser-Dampf-Prozess, nur dass statt Wasser ein organisches Arbeitsmittel, in diesem Fall Silikonöl, verwendet wird, das bei bereits bei niedrigeren Temperaturen und Drücken verdampft.
Die Wärme aus der Biomasseverbrennung kann dem ORC-Prozess allerdings nicht direkt zugeführt werden, da sie mit bis zu 320 °C zu heiß ist. Um eine Überhitzung und damit Zerstörung des organischen Arbeitsmittels, des Silikonöls, zu verhindern, wird ein Thermoölkessel zwischen die Biomassefeuerungsanlage und den ORC-Prozess geschaltet. Er überträgt die Wärmeenergie der Biomasseverbrennung auf das Silikon, wodurch es verdampft. Der so erzeugte Dampf wird einer Turbine zugeführt, in der dieser entspannt und so mechanische Energie erzeugt, mit der dann ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben wird. mehr zu technischen Informationen
Sauberer Strom, ökologische Fernwärme
Mit dem im Aschaffenburger BMHKW erzeugten sauberen Strom können aktuell rund 2.900 Haushalte und ca. 10.000 Aschaffenburger versorgt werden. Die Abwärme des Turbinendampfes wird im Rahmen der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt und an das 8,4 km lange Fernwärmenetz sowie für die Klärschlammtrocknung abgegeben. Übrigens: Dabei kondensiert das organische Arbeitsmittel, das Silikonöl, und kann erneut dem Verdampfer zugeführt werden. Der Kreislauf ist damit geschlossen.
Das BMHKW versorgt heute den Stadtteil Leider, Schulen und Gewerbebetriebe, die Lamprecht- und Wermbachstraße sowie nahezu alle Gebäude in der Aschaffenburger Oberstadt mit regenerativer Heizenergie. „Gerade die echte Kraft-Wärme-Koppelung der Anlage mit einem ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Kreislauf brachte uns damals in Bayern eine echte Vorreiterrolle ein“, sagt Dieter Gerlach.
Dreifacher Energienutzen der Klärschlammtrocknung
Und einen weiteren Nutzen liefert das BMHKW. Mit seiner Abwärme wird der Klärschlamm aus der Aschaffenburger Kläranlage energieeffizient getrocknet. Neben der Abwärmenutzung spart und liefert die Klärschlammtrocknung Energie. Durch den Rückgang des Wasseranteils im Klärschlamm reduziert sich die Masse um mehr als zwei Drittel. So braucht es pro Jahr rund 250 Lkw-Fahrten weniger zum Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt. Dort ersetzt der getrocknete Klärschlamm fossile Brennstoffe wie beispielsweise Steinkohle. Insgesamt werden durch die Klärschlammtrocknung pro Jahr knapp 10.000 t CO2 zusätzlich eingespart.
Beteiligung der Bürger
Eine Besonderheit gab es auch bei der Finanzierung: Zwei Millionen Euro steuerten die Aschaffenburger Bürger über sogenannte Spessartwärme-Kapitalbriefe bei. Hierzu kooperierte die AVG mit der Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau. Zusätzlich zum garantierten Sparkassenzins gab es pro 1.000 Euro Kapitaleinlage jedes Jahr 10 Kilogramm Holzbriketts als Naturalzins.







