(vom 12.12.2022)
Grüner Wasserstoff für den bayerischen Untermain
Am Dienstag luden die Stadtwerke Aschaffenburg zum H2-Workshop in die Herbert Neumeyer Lounge ein. Über 70 Vertreter aus der regionalen Industrie und Politik nahmen aktiv an dem Workshop teil und hielten aktuelle Fachvorträge sowie Präsentationen zu laufenden Projekten rund um Wasserstoff: H2-Grundlagen, regionale H2-Projekt und künftige Wasserstoffpipelines in der Region.
Einen wichtigen Ausblick in Aschaffenburgs Zukunft in Sachen Energie und Mobilität, hat die Wasserstoff-Veranstaltung der Stadtwerke Aschaffenburg gezeigt. Aschaffenburg ist aktuell eine der Modellregionen Bayerns für Wasserstoff-Logistik.
Die Stadtwerke Aschaffenburg stellten Ihre regionale H2-Strategie vor, die im nächsten Jahr schon mit praktischen Projekten umgesetzt werden soll. Bereits jetzt nutzen die Stadtwerke reinen Wasserstoff zur Denitrifikation des Grundwassers zur Herstellung von Trinkwasser im Wasserwerk in Niedernberg. Ein weiterer Schwerpunkt soll im Verkehrssektor gesetzt werden. Hier werden ein Müllfahrzeug sowie 12 Busse, die mit Wasserstoff über die Brennstoffzelle betrieben werden, angeschafft. Die dazugehörige öffentliche Wasserstoff-Tankstelle ist bereits im Bau und soll Ende 2023 am Gelände des Verkehrsbetriebs in Betrieb gehen.
Nicht nur an der Logistik und am Verbrauch von Wasserstoff sind die Stadtwerke interessiert, auch die dezentrale Teil-Erzeugung wird in Angriff genommen. Die Stadtwerke Aschaffenburg planen zusammen mit der Sanierung der Altdeponie Karlstein-Dettingen für das Areal eine innovative Sektorenkopplungslösung. Auf der rund sechs Hektar großen Deponiefläche soll eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von etwa 4,8 MWp realisiert werden. Die Genehmigungsverfahren für die Umsetzung des Projektes laufen aktuell bei den zuständigen Entscheidungsträgern. Die über die PV-Anlage erzeugte Energie soll Wasserstoff, für die Verwendung in Aschaffenburg, lokal produzieren.
Prof. Dr.-Ing. Michael Mann von der TH Aschaffenburg stellte in seinem Vortrag die aktuellen Herausforderungen der Energiepolitik dar. Seine klaren Grafiken zeigten den schwierigen Weg bis 2050. „Ohne starke Emissionsminderungen in allen Sektoren kann das 1,5°C Ziel nicht erreicht werden“, so Mann. Gefordert werden vom ihm: Klare Vorgaben und ambitionierte Ziele aus der Politik, Technologieoffenheit um den Wettbewerb nicht zu behindern sowie die Akzeptanz der Bevölkerung zur Energiewende.
Für das Wasserstoff Bündnis Bayern war Frau Elisabeth Gruber vor Ort und erklärte Grundlagen zu Wasserstoff, der Logistik und der Wertschöpfungskette. Die bayerische Wasserstoffstrategie lege ihren Fokus auf grünen Wasserstoff und den Verbrauch in der Mobilität. Der Import von Wasserstoff nach Bayern soll über fünf verschiedene Korridore aus Europa und Nordafrika stattfinden. Umgesetzt werden die geplanten Projekte in Forschungsoffensiven, Aufbau von Testeinrichtungen, unterstützt durch staatliche Förderungen und den Ausbau von bayerischen Wasserstoff-Modellregionen, wie Aschaffenburg.
Gerade für die Strategie der Wasserstoff-Pipeline wird die Kooperation mit den Nachbarn äußerst wichtig. Deshalb war Projektmanager Martin Groß von der Landes Energie Agentur Hessen ebenfalls vor Ort und stellte die Unterstützung das Landes Hessen in Sachen Wasserstoff in Kooperation mit Bayern vor. Erste Überlegungen zu einem Wasserstoffpipelineprojekt in Hessen mit einem Anschluss für Aschaffenburg-Miltenberg wurden vorgestellt.
Die Energiebedarfe von Großabnehmern wie ortsansässige Firmen und Großimmobilien werden aktuell abgefragt um Prognosen und Hochrechnungen in die aktuellen Planungen der Stadtwerke einfließen zu lassen und um Anhaltspunkte für den zukünftigen lokalen Netzumbau zu sammeln.
Herr Dr. Hans Strack von der Stadt Alzenau beschäftigte sich vor allem mit der dauerhaften und sicheren Versorgung durch Wasserstoff. Aktuell plant Alzenau eine sog. „Insellösung“, will aber langfristig an das Netz angeschlossen werden. „Wenn 2030 der Anschluss an eine regionale Wasserstoffpipeline erfolgt, dann soll diese beständig sein“. Gerade wenn der Import von Wasserstoff über den Seeweg erfolgt, dann soll sichergestellt werden, dass das Gas von den See-Häfen auch bei uns am bayerischen Untermain ankommt.
Nils Haack, Hauptverantwortlicher im Bereich Erneuerbare Energien und Sektorenkopplung der AVG zieht eine durchweg positive Bilanz aus der von ihm initiierten Veranstaltung: “Das Interesse am Thema Wasserstoff steigt stetig, die hohe Zahl an teilnehmenden Unternehmen zeigt uns, dass dies auch in unserer Region der Fall ist. Ziel ist es für eine bessere Vernetzung zu sorgen und ein gemeinsames Wasserstoffcluster mit dem Namen HyUnterMain ins Leben zu rufen. Dieses Cluster soll länderübergreifend agieren und die bayerischen und hessischen Player zusammenbringen.“
Dieter Gerlach Werkleiter der Stadtwerke fasste anschließend die Energiesituation zusammen: „Wichtig ist es jetzt schnell und unkompliziert den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Wir müssen offen gegenüber alternativer Technologie sein und eine Innovationsbereitschaft wahren“ und erntete dafür Applaus.
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