Malta

(vom 29.01.2024)

Vier Wochen, die ich nicht missen möchte

So fasst René Kampfmann von der AVG seinen vierwöchigen Aufenthalt auf Malta zusammen. Der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik wechselte vom 29.10.2023 bis zum 25.11.2023 seinen Arbeitsplatz bei den Stadtwerken gegen ein Auslandspraktikum bei einem maltesischen Solar-Betrieb inklusive einer Woche Sprachunterricht auf Malta. Hier sein Bericht.

Mein Englischlehrer an der Berufsschule Robert Adelhelm hat mich auf das Erasmus+ Programm, gefördert von der Europäischen Union, aufmerksam gemacht. Ich war sofort Feuer und Flamme, bot mir der vierwöchige Aufenthalt die einmalige Gelegenheit, sowohl meine beruflichen Fähigkeiten unter fremden Bedingungen einzusetzen und meine Englischkenntnisse zu verbessern als auch eine neue Kultur kennenzulernen. Dieses Programm ist zwar für Azubis gedacht, aber man kann noch ein Jahr nach seiner Ausbildung teilnehmen. Meine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik hatte ich im Juli 2023 abgeschlossen.

Voraussetzung war, dass ich 18 Jahre alt bin und mein Ausbildungsbetrieb, die AVG, dem Auslandsaufenthalt zustimmt. Für die Bewerbung musste ich ein Formular ausfüllen und zusammen mit meinem Lebenslauf (Europass-CV in englischer Sprache) online einreichen. Zudem hat mir Herr Adelhelm eine Empfehlung für das Programm geschrieben. Und worüber ich sehr dankbar bin, die AVG hat mich für einen Teil der Zeit freigestellt, so dass ich nicht so viel Urlaub gebraucht habe. Die verpassten Lerninhalte und Leistungsnachweise an der Berufsschule müssen Teilnehmer, die noch Auszubildende sind, natürlich nachholen.

Los ging’s!

Am 29.10.2023 ging es mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Malta. Insgesamt waren wir 17 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, die an dem Erasmus-Programm teilnahmen. Gewohnt haben wir in kleinen Gruppen in Apartments in St. Julians, einem Touristenort mit rund 15.000 Einwohnern an der Nordostküste von Malta. Gleich am ersten Abend gab es ein gemeinsames Essen in einem lokalen Restaurant, bei dem wir uns alle kennenlernten.

In der ersten Woche hatten wir vormittags Sprachunterricht an einer Sprachschule. Hier lernten wir – bunt zusammengewürfelt mit Japanern, Türken und anderen Deutschen – Englisch und auch viel über Malta. Nachmittags machten wir Ausflüge, teilweise waren sie im Rahmen des Programms organisiert, teilweise waren wir auf eigene Faust unterwegs.

Solarpanele und Kabel verlegen

Eingesetzt war ich bei der Firma Alternative Technologies (www.alternativetechnologies.com.mt/), die insbesondere nachhaltige Energielösungen anbietet und Solaranlagen, Wärmepumpen und Fußbodenheizungen verbaut. Hier durfte ich bei der Installation und Wartung der Anlagen helfen. Die Arbeitskollegen waren im Wesentlichen Malteser, außerdem arbeiteten hier ein indischer Elektroinstallateur, ein italienischer Planer sowie ein Mitpraktikant aus Litauen, der schon länger dabei war. Er hat mir insbesondere bei der Verständigung geholfen, die nicht immer ganz einfach war. Denn Maltesisch ist eine Sprache, durch Arabisch und Italienisch geprägt, die viele Wörter hat, die die englische Sprache nicht kennt. Der regionale Slang machte die Verständigung nicht immer einfach, aber meistens ergab sich der Sinn aus der Situation heraus.

In den ersten beiden Arbeitstagen halfen wir dabei, die Elektrik eines Hotels neu zu verkabeln. Den Rest der Woche waren wir in der Firmenzentrale beschäftigt. Im Hauptgebäude, das gerade renoviert wurde, räumten wir Material um und verlegten neue Kabel. Zudem durfte ich eine alte Elektroinstallation abbauen. Interessant war für mich, dass die Malteser viel Material verbauen, das in Deutschland keine Verwendung findet.

In der zweiten Praktikumswoche arbeiteten wir bei einem israelischen Pharmakonzern. Hier durfte ich beim Verlegen von Solarpanelen helfen und den Potentialausgleich installieren. In der dritten Praktikumswoche fiel ich leider aus, da ich mir beim Baden im Meer in einem Ohr das Trommelfell verletzt habe. Das hat aber die positiven Eindrücke meines Malta-Aufenthaltes nicht geschmälert.

Was mir besonders auffiel und anders ist als bei uns: der Zustand der elektrischen Versorgung. In Deutschland verlegen wir die Kabel üblicherweise in der Erde, um sie vor Manipulation, Wetter und UV-Strahlung zu schützen. Auf Malta gibt es nur Freileitungen, deren Zustand in Deutschland nicht hinnehmbar wäre. Teilweise baumelten die abgetrennten Leitungen sogar einfach vom Mast herunter.

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Das Freizeitprogramm

Sehr genossen habe ich nach Feierabend vor allem die Spaziergänge am Strand oder die Treffen mit Klassenkameraden in der Innenstadt. Besondere Erlebnisse waren die Ausflüge, finanziert durch das Erasmus-Programm, beispielsweise in die alte Hauptstadt Mdina, in die neue Hauptstadt Valletta oder nach Gozo, der Nachbarinsel von Malta, und dem Besuch der Blauen Lagune – definitiv ein Highlight der Reise. Fasziniert hat mich auch der gemeinsame Ausflug zum maltesischen Nationalaquarium, das viele verschiedene Meereslebewesen aus der ganzen Welt beherbergt. Dazu gehört auch ein Albinorochen mit Spitznamen Kasper, der hungrig und in Erwartung seiner Fütterung wild mit den Flossen um sich schlug und uns Besucher anspritzte. In freier Umgebung wäre dieser Rochen bereits gefressen worden, da ihm die Tarnung aufgrund seiner weißen Farbgebung fehlt.

Es hat sich gelohnt …

… und ich würde jedem empfehlen, der offen, abenteuerlustig und flexibel ist, diese Auslandserfahrung auf Malta zu wagen. Wir sind oft in unserem Alltag gefangen. Ein längerer Aufenthalt weg von Zuhause, eine völlig neue Umgebung, tolle Kulturdenkmäler, herrliche Natureindrücke und das neue, soziale Umfeld waren sehr bereichernd. Auch wenn meine Ohrenverletzung noch nicht wieder geheilt ist, so habe ich von Malta vor allem schöne Erinnerungen mitgenommen und einmalige und unvergesslich Erfahrungen sammeln können, die ich nicht missen möchte. Ich danke vor allem meinem Englischlehrer Robert Adelhelm ganz herzlich für seine Empfehlung sowie dem Auslandsteam der Berufsschule und natürlich Erasmus+ und meinem Ausbildungsbetrieb, der AVG, die dieses einmalige Erlebnis überhaupt möglich gemacht haben.

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