(vom 06.02.2024)
12 Monate Wertstofftonne
Stadt und Stadtwerke Aschaffenburg ziehen positive Bilanz
Sie haben das Straßenbild in Aschaffenburg deutlich verbessert: Gelbe Säckeberge, deren vom Sturm verwehten oder durch Tierfraß verteilten Inhalte sowie „Doseniglus“ samt wilder Ablagerungen sind – zumindest in der Stadt Aschaffenburg – der kostenlosen Wertstofftonne gewichen. Auch gelbe Tonne genannt, sorgt sie für eine umweltschonende Sammlung der Wertstoffe und eine saubere sowie nachhaltige Entsorgung.
Die gelbe Tonne, die nur einen gelben Deckel hat, ansonsten aber schwarz wie die Restmülltonne ist, wurde im Januar 2023 an die Haushalte im Stadtgebiet verteilt. Die anfänglichen Bedenken, dass es nun – neben Restmüll-, Bio- und Papiertonne – ein weiteres, sperriges Gefäß gibt, konnten mit persönlicher Beratung und der Möglichkeit, sich mit den Nachbarn eine Tonne zu teilen, schnell ausgeräumt werden. Und wer gar keinen Platz hat, kann weiterhin den gelben Sack nutzen, muss ihn dann aber selbst zum Recyclinghof bringen.
Nach 12 Monaten ziehen der Leiter des städtischen Entsorgungsbetriebs, Dirk Nagel, und sein Vorgänger, Robert Faust, eine positive Bilanz – nicht zuletzt dank des Mitwirkens und dem Verständnis der Bürger*innen. Rund 11.000 Wertstofftonnen mit 240 Liter Fassungsvermögen und 2.000 1.100 Liter- Container wurden ausgeliefert. Pro Abfuhrtag kommen – gepresst – 40 bis 50 Kubikmeter Wertstoffe mit 12 bis 15 Tonnen Gewicht zusammen. Übrigens: Die Menge der Fehlwürfe, also Abfälle, die nicht in die gelbe Tonne gehören, halten sich in Grenzen.
Einmaliger Service
Das gibt es wohl nur in Aschaffenburg … und sorgt für ein ordentliches Straßenbild. Die Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs, der unter dem Dach der Stadtwerke betrieben wird, holen die Mülltonnen vom Grundstück, stellen sie auf die Straße und bringen sie nach der Leerung wieder an ihren Platz zurück. Das gilt auch für die Wertstofftonne. Für diesen besonderen Service sind die Müllwerker eigentlich gar nicht zuständig, schon gar nicht für die Wertstofftonne, die wie der gelbe Sack zum Dualen System Deutschland (DSD) gehört und nicht in den Verantwortungsbereich der Stadt. Die gelbe Tonne wird zusammen mit der blauen Papiertonne geleert, sodass sich der Räum-Aufwand für die Müllwerker an diesen Tagen verdoppelt.
Mehr Platz. Saubere Straßen.
Viele Bürger*innen finden den Umstieg auf die gelbe Wertstofftonne gut. Zum einen müssen sie die gelben Säcke nicht mehr im Keller, in der Garage oder vielleicht sogar in der Wohnung sammeln, sondern haben zusätzlich freie Flächen gewonnen. Deutlich besser sehen vor allem die Straßen aus. Vermüllung durch lagernde gelbe Säcke oder Säckeanhäufungen, insbesondere an den Abfuhrtagen, die zudem häufig auch noch durch Tiere angeknabbert wurden oder durch Sturm bzw. Zerstörungswut zerfleddert waren, gehören heute der Vergangenheit an.
Das duale System
Der Wechsel vom gelben Sack war allerdings nicht einfach nur mit dem Ausrollen der Wertstofftonne im Stadtgebiet getan. Die Verhandlungen mit dem DSD haben viele Jahre gedauert … und gingen erst mit einem neuen zugelosten Gesprächspartner, der Kölner Zentek GmbH, voran.
Ärgernisse von der Vergangenheit bis heute
Der gelbe Sack war in den 1990er-Jahren zur Sammlung der Verpackungswertstoffe eingeführt worden, die den grünen Punkt trugen. Die Abfuhr und Verwertung dieser Verpackungen durften nicht die Kommunen übernehmen, sie war ausschließlich dem DSD, unter dessen Dach heute 11 Unternehmen bundesweit tätig sind, vorbehalten.
Die getrennte Zuständigkeit und die Beschränkung des gelben Sacks auf Verpackungsstoffe hat immer wieder zu Unverständnis bei den Verbrauchern geführt – und zu Ärger zwischen den DSD-Unternehmen und den Entsorgern der sonstigen Kunststoffabfälle. Aschaffenburg als Kommune musste für die Sammlung der „übrigen Wertstoffe“ eine parallele Sammelstruktur aufbauen.
Zudem standen die schlechten Verwertungsquoten des DSD immer wieder in der Kritik. Die Stadt Aschaffenburg sah sich dagegen schon damals als Vorreiter bei der Abfallverwertung. Sie hatte bereits 1990 als erste Stadt in Bayern die Abfalltrennung eingeführt. Mit einer besseren Verpackungsverwertung wollte sie vor allem die Erlöse steigern, die in Aschaffenburg seit den 1990er-Jahren für stabile Müllgebühren sorgen.
Seit 2010 versuchten die Entsorgungsbetriebe die Wertstoffsammlung komplett in eigener Regie zu übernehmen, doch das war und ist auch bis heute leider nicht möglich. Am dualen System führt kein Weg vorbei. Doch die Stadt konnte einen Kompromiss erzielen, der für die Bürger*innen die Entsorgung der Wertstoffe vereinfacht: Mit Einführung der gelben Tonne werden hier jetzt nicht nur Kunststoff- und Verbundverpackungen mit grünem Punkt gesammelt, sondern auch haushaltsübliche Gegenstände aus Metall und/oder Kunststoff wie z. B. Dosen, Eimer, Gießkannen, Töpfe, Siebe, Trichter, Schüsseln, Schalen, Werkzeuge sowie Kinderspielzeug, Bügel, Tüten und Folien. Glasflaschen und Gläser, Textilien und kleine Elektrogeräte können noch in die Container im Stadtgebiet oder zu den Recyclinghöfen gebracht werden.
Gesammelte Wertstoffe
Pro Jahr fallen in Aschaffenburg insgesamt rund 26.000 Tonnen an Wertstoffen an. Davon sind rund 22.000 Tonnen „kommunal“. D. h. hier ist die Stadt für die Erfassung und Verwertung zuständig. Dazu gehören z. B. rund 7.700 Tonnen Bioabfall und 7.000 Tonnen Papier, für die es seit 1991 in Aschaffenburg eine eigene Tonne gibt. Die privatwirtschaftlichen Verpackungsstoffe, der eigentliche „Wertstofftonnenabfall“, macht dagegen nur 4.000 Tonnen aus. Bei fast der Hälfte handelt es sich um Glas, das weiterhin in Containern gesammelt wird.
Kosten für DSD
Finanziert wird das duale System bis heute über die Verpackungsgebühr, die beim Einkauf auf die Verbraucher umgelegt wird. Die Gebühren für die gelbe Tonne werden also schon beim Kauf von Waren mit Verpackung bezahlt. Für den kommunalen Anteil, das ist rund ein Viertel der gesammelten Wertstoffe in der Tonne, entrichtet die Stadt eine Gebühr an das DSD als Beitrag für die Mitnutzung des Systems. Unverändert können die Bürger*innen bei den Recyclinghöfen Verpackungen mit grünem Punkt abgeben. Die Stadt sammelt sie für das DSD, bekommt dafür aber keine Gebühr.
Gelbe Tonne nur in der Stadt
Die gelbe Tonne gibt bis auf Weiteres nur in der Stadt Aschaffenburg. Der Landkreis hat die Abfuhr der gelben Säcke bis zum Jahr 2025 an die Firma Werner aus Goldbach vergeben, sodass Veränderungen erst danach möglich sind. Konkrete Pläne gibt es dazu derzeit nicht.
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